Ziele und Social Media

Wer sich mit Social Media beschäftigt, möchte natürlich Erfolg haben. Das gilt für kirchliche und kulturelle Institutionen genauso wie für alle anderen. Man macht das ganze ja nicht umsonst. Viele legen sogar ein sehr starkes Engagement an den Tag, nehmen die Aufgabe mit in die Freizeit und den Feierabend, wenden eine ungeheuer starke Energie auf, um die eigenen Kanäle zum Erfolg zu führen. Das ist alles bewundernswert und dem kann man nur mit viel Achtung und Anerkennung begegnen.
Was jedoch auffällt ist die Beobachtung, dass vielen gar nicht klar ist, was denn Erfolg ist oder ab wann man von einem Erfolg sprechen kann. Oder anders gesagt: Ziele und Social Media werden selten zusammengedacht und definiert.
Sind es die Followerzahlen bei Facebook oder Twitter? Ist es die Anzahl eigener Beiträge und die “Gefällt -mir”-Angaben, oder sind es die Herzen, die neuerdings bei Twitter vergeben werden oder die Reaktionen bei Instagram und die Repints bei Pinterest?
Oder anders gefragt: Ab wann bin ich zufieden? Gibt es auch Ziele, die mich motivieren, die mich an meinen Werten ansprechen?
Es macht meines Erachtens sehr viel Sinn, sich darüber im klaren zu sein. Denn, wenn ich nicht weiß, wann ich von Erfolg spreche und wie ich diesen erkenne, dann kann es passieren, dass mein Engagement irgendwann in Enttäuschung mündet. Das sollte auf alle Fälle vermieden werden.
Dabei muss man zwei Arten von Zielen unterscheiden, was bisher in der Social Media Szene eher unüblich ist, was aber meines Erachtens Sinn macht.
Es gibt die Ziele, die Tatsächlich messbar sind, spezifisch, terminiert usw. Das sind vor allem die Ziele, die ich oben schon benannt habe. Diese so genannten SMART-Ziele haben die beiden Wissenschaftler Locke und Latham für eine kanadische Holzfällerfirma erarbeitet, deren Holzfäller immer weniger geleistet haben. Wie konnte die Leistung der Männer verbessert werden, das war die Frage. Und so entwickelten die beiden die SMART-Ziele. Diese sind gut und richtig, wenn es um konkrete und einfach strukturierte Prozesse geht.

Grenzen der SMART-Ziele

Mir scheint es jedoch wichtig zu sein, sich noch vor diesen Zielen darüber klar zu sein, was mich denn zu der Arbeit immer wieder motiviert? Was lenkt und leitet mich?
Und noch wichtiger für Social Media Manager: Natürlich ist ein Ziel, die Reichweite einer Seite zu erhöhen oder was auch immer. Aber, ob das Ziel des Unternehmens damit auch erreicht ist, ob mein persönliches Ziel damit erreicht wurde, darüber geben Zahlen allein keine Auskunft. Ins Extreme gezogen: durch einen Shitstorm wird sich meine Reichweite sehr stark erhöhen, aber das ist gewiss nicht die Art und Weise, wie ich mein Ziel erreichen will. Wenn es darum geht, sympathisch, freundlich zugewandt herüber zu kommen, kann ich das nicht mehr mit SMART-Zielen erreichen. Wenn ich immer wieder neue Ideen generieren möchte, wenn ein wahres Feuerwerk an neuen Themen entstehen soll, dann können das SMART-Ziele nicht erreichen.
Hier sprechen wir daher von Motiv-Zielen, die von Maja Storch von der Universität Zürich zusammen mit Frank Krause entwickelt wurden.

Was sind Motto-Ziele?

Anders als die SMART-Ziele sind Mottoziele situationsübergreifend und setzen eher an meiner Haltung an. Hier geht es zunächst weniger darum, was ich bis wann und mit wem getan haben möchte. Hier geht es darum, wie ich etwas tue. Und gerade in ideellen Bereichen ist es extrem wichtig, dass dieses Wie stimmt. Und Motivation kommt in der Regel aus dem Wie.
Da es hier also um Haltungen und damit auch um eher unbewusste innere Motivationen geht, müssen Mottoziele auch ganz anders formuliert werden. Sie sollen nämlich gerade nicht den Intellekt ansprechen (wie die SMART-Ziele), sondern den eher emotionalen Bereich unserer Persönlichkeit. Daher müssen die Ziele auch jeweils stimmig und für jede Person persönlich entwickelt werden
So kann ein Ziel hier etwa so formuliert sein:
Morgens verwöhne ich die Welt wie ein warmer Sommerregen.
oder
Ich lebe den Smiley.
Das klingt zunächst vielleicht befremdlich. Bei beiden Mottozielen geht es darum, motiviert und in einer ganz positiven Haltung an die Arbeit zu gehen, und viel gute Laune auf Facebook und Co,. zu verbreiten. Die jeweiligen Bilder (Sommerregen, Smiley) können die innere unbewusste Energie dazu wecken und müssen natürlich zu der Person passen.
Meine These lautet: Vor den SMART-Ziele, die weiter sehr wichtig sind, kann es bedeutsam sein, sich ein Mottoziel zu erstellen. Dieses Mottoziel kann mir helfen, einfach in die richtige Stimmung zu kommen um so zu agieren, wie ich es gerne hätte: positiv, zugewandt oder was auch immer Ihr Ziel ist.
In der kommenden Woche möchte ich Ihnen gerne erklären, wie Sie zu einem solchen selbstmotivierenden Ziel kommen.
Sollten Sie die Hintergründe gerne besser verstehen wollen, dann kann ich Ihnen die Bücher von Maja Storch sehr empfehlen. Oder lesen Sie folgenden Artikel: Motto-Ziele, S.M.A.R.T.-Ziele und Motivation.
Die Theorie der Mottoziele ist übrigens hochgradig wissenschaftlich evaluiert.

Vielleicht haben Sie Fragen? Ansonsten oder wie auch immer: teilen Sie gerne diesen Artikel.

 

Foto: pixabay.com/HebiFot