Kirche im Internet

 

Man stelle sich vor: Ein Gottesdienst irgendwo in einer Kleinstadt, 20 Gemeindemitglieder befinden sich im Kirchraum und 200 nehmen teil, indem sich viele via Livebroadcasting zuschalten.
Nach dem Evangelium wird gemeinsam über die Botschaft diskutiert: live und virtuell.
Oder: Eine Firmvorbereitung, die als Webinar und Podcast daher kommt mit Teilnehmenden aus ganz Deutschland.
Oder: Der Pfarrer, der jeden Tag regelmäßig twittert und so alle interessierten Gemeindemitglieder mitnimmt und auf Tuchfühlung mit der Gemeinde bringt.

 

Seit Beginn des Internetzeitalters ist auch die Kirche im Internet. Homepages sind heute für fast jede Gemeinde Standart. Und welcher Priester sucht nicht zur Vorbereitung auf die Predigt bei Google nach wichtigen Aspekten? Der Papst twittert, der Bischof auch und Internetangebote gehören schon lange zum Unterricht und vermutlich auch zur Firmkatechese. Die Kirche ist längst im Internetzeitalter angekommen.

Ist das zu begrüßen? Das Evangelium kann immer nur medial weitergegeben werden, und den Beginn des Buchdrucks haben die Kirchen für sich zu nutzen gewusst. Schon Jesus können wir als Medium betrachten, als Mittler zwischen Gott und den Menschen – nichts anderes ist ein Medium. Wenn die Kirche sich zudem zu den Menschen gerufen weiß, wenn sie Kultur beeinflussen und Menschen unterstützen will, und das bei der geringer werden Anzahl an Mitgliedern, dann kann man den Eindruck gewinnen, als spiele der digitale Wandel den Kirchen in die Hände. Man könnte den Eindruck gewinnen, aber noch immer sind die Kirchen viel zu wenig in den Social Media Kanälen vertreten, noch immer muss man für ein dortiges Engagement kämpfen. Damit das leichter wird, möchte ich hier und in zwei weiteren Beiträgen einige Argumentationshilfen anbieten. Gerne dürfen diese ergänzt und auch verbessert werden – denn im Internetzeitalter zählt nicht mehr nur die Idee des einzelnen, die Schwarmintelligenz bringt Neues hervor (ob man irgendwann auch von der Intelligenz des Volkes Gottes sprechen wird?)


Aber konkret und für heute schon mal ein Argument:

 

„Kirche im Internet“, warum gehört das zur Gegenwartsvision?

 

Weil Grundprinzipien im Internet Grundprinzipien des Christentums sind.

Jemandem zu folgen, Botschaften zu teilen, einen Evangelisten anhören, Geben ist seliger denn Nehmen, Verbundenheit über Kontinente hinweg: das sind Begriffe, die das Internet bestimmen und das kirchliche Leben ebenso. Sie fragen sich, wo denn im Internet Evangelisten sind? Menschen werden im Netz als Evangelisten benannt, die eine Art Leuchtturmfunktion haben, Experten mit der Fähigkeit, Meinungen vieler anderer zu beeinflussen. Wer im Internet etwas bewirken will, der muss erst einmal etwas geben, das ist ein Grundprinzip insbesondere im Onlinegeschäft. Dort heißt es: Gib und du wirst bekommen.
Klingelt es in Ihren Ohren? Ja, ganz genau: In vielen Bereichen ist das Internet Ausdruck christlicher Grundeinstellung – wenn auch in einem anderen Gewand. Es dürfte aber nicht schwer fallen, dort anzuknüpfen. Internet und Spiritualität passen gut zusammen und funktionieren in manchen Bereichen nach den gleichen Prinzipien. Das mag auf den ersten Blick nicht so wirken: die technische Seite des Internets legt das auch nicht nahe, doch das ist nur eine Seite. Wir sprechen hier von sozialen Medien, von Kanälen, von Räumen, in denen Menschen zusammenkommen. Das Internet besteht nicht nur aus Bits und Bytes, nicht nur aus Breitband, html, aus Typoscript, Bounce Rate und was auch immer: es besteht vor allem aus Menschen, die sich vernetzen.

 

Welche Argumente können Sie noch ergänzen? Was sind vielleicht auch Ihre Vorbehalte zum Thema “Kirche im Internet”?
Im nächsten Artikel werde ich weitere Argumente anführen, warum die Kirche ins Netz gehört.