Kirche im Internet

Das Christentum und die Netzgemeinde haben viele Begriffe und Prinzipien gemeinsam, so hatte ich es in meinem ersten Artikel in der Reihe “Kirche im Internet” beschrieben. Heute möchte ich weitere wichtige Aspekte anführen, die meine Thesen stützen sollen.
Vielleicht können sie dem einen oder anderen als Argumentationshilfe dienen.

Warum also gehört die Kirche ins Internet:

 

Weil sich die Kirche zu den Menschen gerufen weiß

Wer von anderen Menschen nichts will: kein Interesse wecken möchte,sich keine Veränderung wünscht, keine Tat, kein Gespräch, keine Antwort und auch kein Geld, der kann das Internet vergessen, der kann sich zurücklehnen und sagen: ich brauche das Netz nicht, die können mir alle gestohlen bleiben. Wer nichts will, der kann wird das Internet vor allem kritisch betrachten (nicht, dass es da nicht genug gäbe und als wäre das nicht auch notwendig), er wird vieles beklagen und den Untergang des Abendlandes herbeibeschwören.
Wer aber Menschen helfen will, wer etwas Wichtiges mitzuteilen hat (das haben wir doch, oder?), wer beeinflussen und gestalten möchte, der kommt um das Internet nicht herum, der wird sich dorthin bewegen, wo Menschen zusammenkommen, wo sie sich unterhalten.  Als früher Seefahrer aufbrachen, um neue Kontinente zu erobern, waren die Missionare gleich mit dabei – wenn auch leider nicht immer in einer rühmlichen Rolle. Sie haben sich aber auch um die Krankenversorgung gekümmert, um Armenfürsorge etc.. Der Kontinent von heute heißt Internet und diesen Kontinent sollten wir nicht Sekten, Propagandisten und ähnlichen überlassen

 

Weil die Kirche im Wettbewerb lebt

Das Monopol der Kirchen ist endgültig vorbei, wir befinden uns vielmehr in einem offenen Wettbewerb. Nicht nur andere Sinnangebote sind Wettbewerber, sondern überhaupt andere Veranstaltungen, andere Gesprächspartner, andere Anbieter für Wellness und Wohlgefühl usw. Der schlechteste Weg damit umzugehen ist: Arroganz und Wegschauen. Das wäre so, als wenn Nutella bei rückläufigen Verkaufszahlen sagen würde: Wer meine Nussnougatcreme, die beste auf dem Markt, nicht haben will, der kann mir gestohlen bleiben. Das Rezept wird keinen Deut geändert, mögen die Kunden auch noch so gerne weniger Zucker darin haben wollen, und an der Verpackung ändern wir auch nichts, mögen die Kunden auch noch so gerne eine Ökoverpackung wünschen.
Die beste Art damit umzugehen ist eben nicht Arroganz und Wegschauen, sondern: Den Wettbewerb annehmen und sich rüsten – wir müssen natürlich daran glauben, dass wir etwas  sehr gutes zu „verkaufen“ haben, was den Vergleich nicht scheuen muss.

 

Weil wir etwas wollen

Die Kirche genügt sich nicht selbst, sie ist in die Welt gesandt und soll der Welt die frohe Botschaft bringen. Da darf sie keine Möglichkeit auslassen, keine Kanäle vernachlässigen und keinen Weg verschmähen. Überall dort, wo Menschen zusammen kommen, sich austauschen und einander begegnen, dort hat auch die Kirche ihren Platz. Denn die Kirche will ja etwas, sie will Einfluss nehmen, sie will Menschen auf sich und auf die Botschaft aufmerksam machen, sie will Menschen auf ihre Gottesdienste hinweisen, will sich und will Gott ins Gespräch bringen – in dem ersten Beitrag der Serie sprach ich schon davon. Das will sie und das soll sie auch. Heute tauschen sich viele in sozialen Netzwerken aus, hier gehört auch die Stimme der Kirche hin. Kirche gehört ins Netz, weil sie ein Interesse an den Menschen hat.

Und was hat Ihre Pfarrei, ihr Kloster, Krankenhaus, Kindergarten oder was auch immer, der Welt zu geben?
Vielleicht haben Sie Gegenargumente im Kopf, die noch erwidert werden sollen. Gerne nehme ich diese im letzten Artikel auf: Einfach als Kommentar posten!